Bootsdiesel einwintern: Motor vor Frostschäden schützen • KlabauterKiste

Bootsdiesel einwintern: Motor vor Frostschäden schützen

Die Saison ist vorbei, die Boote kommen aus dem Wasser. Höchste Zeit für eine kleine Anleitung, wie man den Dieselmotor winterfest macht.

Du hast keinen Diesel sondern einen Außenborder? Hier gibt es die entsprechenden Tipps zum Außenborder winterfest machen. Weitere Tipps für den Rest des Bootes gibt es hier: Boot einwintern.

Die folgenden Schritte solltest du unbedingt beachten beim Einwintern deines Bootsmotors:

Ölwechsel

Es bietet sich an, vor dem Einwintern einen Ölwechsel durchzuführen. Das frische Öl bietet einen guten Korrosionsschutz für das Innenleben des Motors. Hierfür lässt man die Maschine warm laufen wenn das Boot noch im Wasser liegt. Der Motor wird dabei für einige Minuten bei mittlerem Gas am Steg im Rückwärtsgang laufen lassen. (Dabei werden auch gleich die Festmacher und Dalben getestet 😉 ). Die Temperaturanzeige sollte danach in einem für Marschfahrt typischen Bereich stehen.

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Insbesondere bei Motoren mit Einkreiskühlung ist es wichtig, dass sich die Kühlkanäle nicht mit Salz oder Schlamm zusetzen. Hier bietet es sich an, beim Warmlaufen lassen den Kühlwasser-Ansaugschlauch in einen Eimer mit Frischwasser zu halten. Beim Warmlaufen öffnet das Thermostat und das Frischwasser kann auch die Kühlkanäle am Zylinder frei spülen. Der Eimer sollte natürlich während dem Laufenlassen permanent mit einen Schlauch befüllt werden.

Öl abpumpen

Nach dem Warmlaufen wird die Maschine abgestellt und das alte Öl abgepumpt (zum Beispiel mit einer solchen Ölabsaug-Pumpe). Je nach Zahl der Betriebsstunden bietet es sich an, auch den Ölfilter zu tauschen. Sitzt dieser zu fest kann man ihn mit einem Bandschlüssel lösen oder notfalls mit einem Schraubendreher durchstechen und so loshebeln. (Achtung, dabei nicht komplett zerstören!) Die Dichtung des neuen Filters wird mit etwas Öl oder Fett eingeschmiert. Der Filter sollte nicht zu fest angedreht werden und notfalls – wenn er leckt – noch einmal nachgezogen werden. Danach kann frisches Öl nachgefüllt werden. (Wie der Ölwechsel bei deiner Maschine gemacht werden sollte und wo man das Öl nachfüllt lässt sich im Handbuch nachlesen.)

Nicht vergessen sollte man auch das Getriebeöl! Je nach Betriebsstunden reicht ein Wechsel auch in jedem zweiten Jahr, allerdings sollte zumindest der Getriebeölstand und der Zustand des Öls (Farbe, eventuelle Schwebestoffe) überprüft werden.

 

Kraftstofffilter wechseln

Je nach Betriebsstundenzahl ist jetzt auch ein guter Moment, die Kraftstofffilter zu wechseln. Moderne Maschinen haben hierfür einen Vorfilter und einen Feinfilter. Ist im Vorfilter kein Dreck vorhanden, kann man die Filter auch mehr als eine Saison fahren. Auf jeden Fall sollte eventuelles Wasser aus dem Wasserabscheider abgelassen werden (und die Ursache, meistens Wasser im Tank) beseitigt werden. Am besten hält man für diese Prozeduren Plastikbeutel bereit und klebt diese mit Abklebeband so unter die Filter, dass auslaufender Treibstoff nicht in der Motorbilge landet.

 

Einwintern des Kühlkreislaufs

Das Wichtigste beim Bootsdiesel einwintern ist es zu vermeiden, dass Wasser im Kühlkreislauf gefriert. Also muss man entweder das Wasser ablassen oder es durch geeignetes Frostschutzmittel ersetzen. Um Wasserverschmutzung durch das Frostschutzmittel zu vermeiden sollte man, diesen Schritt erst nach dem Auskranen durchzuführen oder – wenn der Auspuff hoch genug über der Wasserlinie liegt – einen Eimer darunter zu befestigen. Bitte beachtet die Hinweise zum Umweltschutz am Ende dieses Artikels!

In einem Eimer oder einer großen Gießkanne mischt man (je nach Größe des Motors) 3-5 Liter Frostschutz mit der passenden Menge Wasser (mit einem Frostschutzprüfer kann man die Temperaturbeständigkeit testen, sie sollte bei minus 25 Grad oder kälter liegen). Das Seewasserventil für die Kühlwasseransaugung wird geschlossen. Nun kann man entweder den Kühlwasseransaugschlauch abmontieren und direkt in den Eimer stecken, oder aber das Gemisch mit der Gießkanne in den aufgeschraubten Seewasserfilter gießen. Die Maschine starten und so lange laufen lassen, bis am Auspuff die (eingefärbte) Kühlwassermischung austritt. Hierbei das Nachgießen mit der Gießkanne nicht vergessen!

  • Bei einer Einkreiskühlung sollte der Motor vor Durchspülen mit Frostschutz entwässert werden, da sonst der Frostschutz wegen des geschlossenen Thermostats nicht in den Kühlkanälen am Zylinder ankommt. Alternativ kann vor dem Durchspülen das Thermostat ausgebaut werden. (Achtung, dies macht nicht bei allen Motortypen Sinn. Im Zweifel im Handbuch nachschlagen oder beim Hersteller nachfragen.) Ist das Thermostat ausgebaut, so ist auch eine gute Möglichkeit, es gleich zu testen: Einfach in ein Wasserbad legen und auf den Herd stellen. Bei der angegebenen Temperatur sollte sich das Thermostat öffnen und beim darauf folgenden Abspülen mit kaltem Wasser zügig wieder schließen. Einkreiskühlungen sollten außerdem regelmäßig entkalkt werden. Hierfür sollte man allerdings einen Experten zu Rate ziehen.
  • Bei einer Zweikreiskühlung sollte man den Fühllstand des Kühlmittels überprüfen und mit einem Frostschutzprüfer testen, ob der Frostschutz bis minus 25 Grad noch gegeben ist. Wenn nicht muss die Kühlflüssigkeit getauscht werden. Aber auch wenn der Frostschutz noch gegeben ist sollten man die Mischung alle 2-3 Jahre austauschen.
 

Impeller kontrollieren oder wechseln

Mindestens einmal im Jahr solltest du den Impeller ausbauen und überprüfen. Dafür ist nun ein guter Zeitpunkt, weil so das Frostschutzmittel aus dem Impellergehäuse abfließt und so die Gummiteile nicht angreifen kann über den Winter. Sind die Flügelräder noch elastisch oder gibt es gar schon Anzeichen von Rissen? Am besten ist es, den Impeller jedes Jahr komplett zu tauschen wie von den meisten Herstellern empfohlen. In jedem Fall muss stets ein funktionstüchtiger Ersatz an Bord sein. Der Impeller wird gefettet (nach Herstellerempfehlung) oder mit Glycerin bestrichen und wieder eingebaut.

bootsdiesel einwintern: Impeller wechseln

Impeller wechseln

Opferanoden wechseln

Befinden sich Opferanoden im Kühlsystem so müssen diese unbedingt kontrolliert und am besten ersetzt werden. Auch die Anode an der Schraube kann man bei dieser Gelegenheit erneuern.

Schläuche und Schellen kontrollieren

Sämtliche Schlauchleitungen sollten auf Elastizität geprüft und wenn möglich getauscht werden. Auch die Schellen müssen eventuell erneuert werden. Beim Versagen einer solchen Verbindung besteht nicht nur das Risiko eines Totalschadens an der Maschine sondern im schlimmsten Fall kann auch das Boot voll laufen!

Tank voll oder leer?

Hier scheiden sich die Geister und es gibt gute Argumente für beide Varianten. Ist der Tank komplett gefüllt kann sich kein Kondenswasser bilden. Andererseits haben eventuell vorhandene Bakterien den ganze Winter über Zeit, sich zu vermehren. Wenn der Tank gefüllt werden soll, dann empfiehlt sich auf jeden Fall ein Diesel ohne Bio-Zusätze. Um zusätzlich Dieselpest vorzubeugen, empfehlen sich entsprechende Additive gegen Bakterien (z.B. Grotamar) und zur Stabilisierung (z.B. Deutz InSyPro®).

Jetzt steht einem geruhsamen Winterschlaf für deinen Diesel nichts mehr im Wege. Wenn du wissen willst, auf was du sonst noch alles achten solltest bei Einwintern deines Bootes, dann probier doch mal unseren Generator für deine Winterlager-Checkliste aus.

Hinweise zum Umweltschutz von Klaus Schulze
(Eigner einer Biga 262+ auf der Ostsee und im Winter auf dem Bodensee)

Ich nehme kein Frostschutzmittel, welches das sehr umweltschädliche Ethandiol (Glykol) enthält!
Denn beim Auswintern lässt es sich kaum Vermeiden, dass Reste des giftigen Frostschutzmittels (s. Anhang Seite 11) im Wasser oder zumindest in der Kanalisation landen. Die wenigsten fangen die Giftbrühe auf und entsorgen sie ordnungsgemäß. Das kann man sogar am besonders geschützten Bodensee alljährlich beobachten; kein Kranbetreiber sagt was!

Wird die Maschine ordnungsgemäß entwässert, kann man sich die Frostschutzfüllung bei den meisten moderneren Bootsmotoren sowieso sparen. Folgende Punkte sind zu beachten:

  1. Der Impeller muss auf jeden Fall entfernt werden.
    (Das wird ja sowieso gemacht.)
  2. Das Seewasser-System sollte keine Wassertaschen haben. 
    Nach aussagen eines Perkins Entwicker (viele Volvo-Pentas werden nur gebadged) sind moderne Motoren alle so konstruiert, dass das Seewasser nach dem Stillstand aus dem Motor fast komplett rausläuft und nur in Schläuchen stehen bleibt. Wenig Restwasser im Motor darf ruhig gefrieren, das es nichts sprengen kann und sofort nach einem Motorstart wieder wegtaut.
  3. Seeventil(e) und Seewasserfilter müssen im Winter geöffnet bleiben!
  4. Ausblasen
    Ich blase dann noch einen abgeschraubten Kühlwasserschlauch mit dem Mund oder einer groooßen Gummibootpumpe tubamäßig (sehr kräftig) Luft ins Schlauchsystem, was dann noch nennenswert Seewasser ans Tageslicht befördert. (Ist aber wohl nur für einen guten Schlaf des Eigners wichtig!)
  5. Auspuffschalldämper
    Moderne, nasse Kunststoff-Bootsschalldämper sind fast immer frostfest konstruiert, da sie oft über der Wasserlinie liegen und z.B. in Alaska täglich einfrieren. Hier braucht man sich also auch keine Gedanken machen, wenn man mal in die Betriebsanleitung des Dämpfer nachliest.
    Alaska Kapitäne beachten aber bitte Punkt 2!

Umweltfreundlichere Frostschutzmittel

Für diejenigen, die jetzt immer noch nicht gut schlafen können oder aus einem anderem Grund Frostschutzmittel verwenden wollen/müssen, gibt es deutlich umweltfreundlichere Lösungen.

Diese Mittel kann man z.B. von Yachtikon (AQUA FROZT) kaufen (auch nicht viel teurer als Glysantin) oder billig selbst herstellen. Dafür gibt es folgende Optionen:

  • Alkohol
    Man kann das System mit billigem Vodka befüllen und verschließen. Nach dem Winter werden damit in RUS sogar Fühlingsbesäufnisse gemacht. Das habe ich von einem Russen erzählt bekommen und glaube das sogar ohne weitere Überprüfung wenn ich das Trinkverhalten meiner russig-stämmigen Schüler betrachte! Allerdings wirkt Alkohol stark entfettend, was diverse Dichtungen im Motor u.U. angreifen könnte.
    Deswegen ist mir diese sehr billige Lösung nicht unbedingt geeignet für den Motor. Im Trinkwassersystem nehme ich b.B. Vodka, was noch nie zu Problemen bei Kunststoffteilen (Leitungen, Ventile, Hähne) geführt hat und auch auch Nebeneffekt ein nettes 'Geschmäckles' in den ersten Segeltagen der neuen Saison führt.
  • Propylenglykol 
    Ich habe jahrelang Propylenglykol verwendet. 5 Liter kosten knapp 20€ und man ist dann bis -30°C supersicher. Bei einer Verdünnung mit Aquadest auf 2/3 ist man noch billiger unterwegs und hat einen Frostschutz von minddestens -18°C.  Das kann man im Tiefkühler einfach überprüfen. Das Gemisch wird zu einer Eisgalerte (Eis-Slush), die sich nicht ausdehnt wie Wasser.
    Propylenglykol hört sich zwar noch giftiger als Ethandiol an, ist aber deutlich harmloser für Flora und Fauna. Es wird in der Rindermast zur Verbesserung der Milchleistung als Futterzusatzmittel eingesetzt (ist auch hierfür zugelassen) und findet auch als Konservierungsmittel (und Gefriersschutz?) in Kosmetika Verwendung. Dieses Mittel ist auch sehr gut für Gummiteile, die damit bestens gepflegt werden. Wenn man das dann in Wasser ablässt, brauch mach sich wohl überhaupt keinen Kopf machen. Vielleicht wachsen dann die Fische im Bodensee sogar schneller?
  • Scheibenwasser-Frostschutz (grenzwertig)
    Gibt's im Herbst bei den Discountern überall für ein paar Euro pro 5L und sollte auch recht umweltfreundlich sein. Habe ich vor Propylenglykol verwendet, produziert aber einen riesigen Schaumteppich um das Boot. An der Ostsee (MV) gang und gäbe aber am schwäbischen Meer würde ich daher bei dieser Lösung sehr gut aufpassen wo die WAPO gerade rumfährt, wenn der Motor das erste Mal gestartet wird.
    Der Schaum ist aber nach ein paar Minuten weg und die Runzeln auf der Stirn des Kranbetreibers kann man auch sehr schnell glätten, wenn man ihm die Scheibenwasser-Frostschutzkanne vorzeigt!

Vielen Dank an Klaus für diesen Kommentar. Uns liegt Umweltschutz sehr am Herzen, darum versucht bitte, so wenig Schädliche Substanzen wie möglich einzusetzen!

  • Ottmar Schneider sagt:

    Coole Infos, toll aufbereitet.


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