Bordelektrik Teil 5 – Verkabelung und Kennzeichnung der Kabel • KlabauterKiste

Bordelektrik Teil 5 – Verkabelung und Kennzeichnung der Kabel

In diesem Teil der Serie zur Erneuerung der Bordelektrik widmen wir uns der Verkabelung. Vorher werden wir noch einige Verbraucher anschließen, die nicht über das Schaltpanel laufen. Dazu gehören die Bilgenpumpe, eine Alarmanlage und auch das Funkgerät.

Die Übersicht zu allen Beiträgen in dieser Serie findet ihr hier: Bordelektrik

Danksagung

Die Artikel in diesem Bereich basieren auf dem hervorragenden PDF von Manfred Kosthorst. Manfred hat auf seiner Homepage einige sehr interessante Beiträge zum Thema Refit veröffentlicht. Leider ist er vor einigen Jahren verstorben. Wir haben die freundliche Genehmigung seiner Angehörigen, Manfreds Arbeit als Grundlage für diese Beiträge zu verwenden. Wir werden die Anleitungen sukzessive erweitern und auf den neuesten Stand bringen. So bleibt dieser Schatz an Informationen weiterhin zugänglich und aktuell.

Wir bedanken uns außerdem bei den Firmen Victron Energy und TransWatt für die Unterstützung und Beratung.

Neben den Verbrauchern, die wir über unser Schaltpanel abgesichert haben, gibt es noch Verbraucher, von denen wir möchten, dass sie auch bei ausgeschaltetem Hauptschalter mit Strom versorgt werden, wie z.B. die Alarmanlage oder die Bilgenpumpe, die beide betriebsbereit sein sollten, auch wenn wir das Boot verlassen haben und den Hauptschalter auf “aus“ geschaltet haben.

Sicherheitsrelevante Verbraucher anschließen

Früher mussten die UKW-Funkgeräte nach der Installation von der Post abgenommen werden. Da kam dann oft sogar ein Vertreter der Behörde an Bord und schaute nach, ob es richtig installiert war. Für den Anschluss eines UKW-Funkgerätes gab es u.a. eine Vorschrift, dass es direkt über eine Sicherung und über einen Schalter an der Batterie angeschlossen werden sollte. Das ist zum Glück heute nicht mehr so.

Doch auch heute schließe ich das Funkgerät immer noch direkt an. Sollte man, aus welchen Gründen auch immer, mal gezwungen werden, die Elektroverteilung stromlos zu schalten, können wir immer noch auf ein funktionierendes Funkgerät zurückgreifen.

Auch fehlte uns noch die Versorgung unserer Batterie mit der Ladespannung vom Ladegerät bzw. von der Lichtmaschine. Das Laden zweier Batterien, Bordbatterie und Starterbatterie mit einer Diodenverteilung wird an dieser Stelle noch nicht berücksichtigt. Ebenso fehlt noch der optionale Anschluss eines Batteriemanagers. Vorgenannte Themen folgen dann später.

Wie schon bei den ersten Plänen in den ersten Berichten, wollen wir die Gesamtverdrahtung langsam Schritt für Schritt aufbauen und weiter ergänzen.

Masseschienen

Für die Knotenpunkte der Masseleitungen (gelb hinterlegt) gibt es fertige Masseschienen, die eine saubere Verbindung ermöglichen.

Gerade in diesem Bereich werden die meisten Fehler gemacht und man sieht oft die abenteuerlichsten Konstruktionen.

Das gleiche gilt aber auch für die stromführenden Leitern (hier rot unterlegt). Hier bieten sich Schienen mit integriertem Sicherungshalter an.

Die Sicherungen F1, sowie F4 bis F8 müssen so dicht wie möglich in die Nähe der Batterie installiert werden. Sie dienen in erster Linie der Absicherung der Leitungen.

Dimensionierung der Sicherungen

Bei der Dimensionierung der Sicherungen muss die vom Germanischen Lloyd aufgestellte Leitungsquerschnittstabelle beachtet werden. Grundsätzlich ist die Größe der Sicherung oder die Schutzschalter-Nennstromstärke nach dem Leitungsquerschnitt und nicht nach dem angeschlossenen Verbraucher festzulegen, um einen einwandfreien Sicherungsschutz des Bordnetzes zu erreichen.

Leiterquerschnitt in mm2 Zulässige Belastung in A empfohlene Sicherung / Nennstromstärke in A
1,5 12 10
2,5 17 16
4 23 20
6 29 25
10 40 35
16 54 50
25 71 60
35 87 80
50 105 100

Für uns ist wohl eher der obere Teil der Tabelle interessant. Bei Installationen von elektrischen Ankerwinden oder von Bugstrahlrudern treten aber immens hohe Ströme auf, die durchaus im unteren Tabellenbereich angesiedelt sind. Ein Blick auf unser Excel-Modell zeigt uns, dass wir mit unseren Verbrauchern und den daraus resultierenden Belastungen im grünen Bereich sind und auch noch Luft nach oben haben.

Die für den gelb hinterlegten Bereich angesprochenen Masseschienen gibt es in verschiedenen Ausführungen mit einer unterschiedlichen Anzahl von Anschlusspunkten. Lieber eine Schiene mit ein paar mehr Anschlusspunkten auswählen. Das ist immer noch besser, als später bei Erweiterungen Anschlüsse doppelt zu belegen.

Sicherungshalter

Links ein Beispiel für einen Sicherungshalter nebst den dazugehörigen Sicherungen. Man kann beliebig viele nebeneinander clipsen (im Plan rot hinter-legt) und sie dann auf der einen Seite mit einer Metallschiene (als gemeinsames Plus) verbinden. Sie bilden die Versorgung für unsere Geräte, die auch bei einem ausgeschalteten Bordnetz noch einsatzbereit sein sollen, für die aber auf keinen Fall auf eine Absicherung verzichtet werden soll.

Die hier dargestellten Schienen und Sicherungshalter sind nur 2 Beispiele von einer großen zur Verfügung stehenden Anzahl. Das gilt auch für den Hauptschalter, mit dem wir die Batterie vom Bordnetz trennen. Ich persönlich bevorzuge einen Schalter (Bild rechts), bei dem ich in den ausgeschalteten Zustand den Schlüssel (manche nennen ihn auch Knochen) abziehen kann.

Verteilerplatte in der Nähe der Batterie

Es macht Sinn, derartige Masseschienen, Hauptschalter und Sicherungshalter möglichst auf einer Platte in der Nähe der Versorgungsbatterien zu installieren. Leider haben wir diesen Bereich während unseres Einsatzes nicht bearbeitet und deshalb gibt es auch keine Fotos, wie so eine Platte mit den installierten Schienen und Sicherungen aussehen könnte.

Hier aber so ein Beispiel einer fertig konfektionierten Verteilerplatte von Philippi. Rechts die Masseschiene (1) mit einem angeschlossenen Shunt (2). (Auf den Shunt kommen wir später noch einmal zu sprechen.)

Die abgesicherten Kabel (3) zum Ladegerät, zu den Panels oder z.B. zur Bilgenpumpe. Mit dem Schalter (4) kann (Die Bilder auf dieser Seite sind z.T. aus einem Philippi Katalog oder aus Lieferantenkatalogen abfotografiert) der fernsteuerbare Hauptschalter (6) geschaltet werden.

Er kann auch weiter abgesetzt installiert werden. In der Mitte ein Tiefentladeschutz (5). Bevor die Batterie tiefenentleert wird, wird sie von den Verbrauchern getrennt. Ein fernsteuerbarer Hauptschalter muss nicht wirklich sein, kann aber die Installation ungemein erleichtern, wenn der Hauptschalter (wir erinnern uns, er sollte in die Nähe der Batterie installiert werden) an einer unzugänglichen Stelle installiert werden muss.

Auch muss man solche Verteilerplatten nicht unbedingt fertig konfektioniert kaufen. Sie lassen sich ebenso gut mit den einzelnen diskreten Bauelementen selbst bauen.

Alle Bauteile lassen sich einzeln beziehen. Ein Selbstbau hat außerdem den unbestrittenen Vorteil, dass man die Verteilerplatte a) den räumlichen Gegebenheiten im Schiff anpassen kann und b) kann man sie so konfektionieren, wie man sie im Prinzip braucht. Ich habe bei mir die Bauteile auf ein Brettchen aus Kunststoff gebaut. Das Brettchen kommt aus dem Lidl, man bekommt es in verschiedenen Größen und dient sonst in der Küche als Schneidebrett.

Kennzeichnung der Kabel

Kleine Clipse mit Nummern kennzeichnen die Kabel

Spätestens jetzt, besser wäre es aber während der gesamten Verkabelungsarbeiten, sollten wir die Kennzeichnung der Kabel vornehmen. Jedes Kabel erhält eine eindeutige Kennzeichnung. Hier gibt es verschiedene Verfahren. Manche bevorzugen eine Kennzeichnung mit einem Farbcode (verschiedene farbliche Ringe kennzeichnen das Kabel), andere nummerieren ihre Kabel durch. Einfacher und schneller finde ich kleine Clipse mit einer fortlaufenden Nummerierung.

Die Kennzeichnung sollte an beiden Kabelenden erfolgen. Oft wird die Kennzeichnung an der Verbraucherseite vernachlässigt. Aber auch selbstklebende Nummern, die auf das Kabel geklebt werden und mit einem Schrumpfschlauch geschützt werden erfüllen ihren Zweck.

Kennzeichnung mit selbstklebenden Etiketten oder Nummern

Denkbar und durchaus sinnvoll ist es, bestimmten Bereichen eigene Nummernkreise zu zuordnen. So könnte zu Beispiel die Verkabelung der Batterie inklusive Anschluss einer Diodenverteilung (oder etwas moderner ….), der Lichtmaschine und aller Verbraucher, die nicht über unser Panel geschaltet werden, der Nummernkreis 1 bis 20 zugeordnet bekommen.

Alle Verbraucher, die über die Panels geschaltet werden erhalten z.B. eine Nummerierung aus dem Bereich 100 bis …

Hier kann jeder sinnvolle Bereiche nach eigenem Ermessen zuordnen. Bitte daran den- ken, dass, wenn die Motorelektrik mit in die Nummerierung einbezogen werden soll, hier einigen Kabel nach einer einheitlichen Regelung bereits feste Nummern (zum Beispiel an der Lichtmaschiene : B+ das Pluskabel 30; B- das Minuskabel 31 und die Ladekontrolle 61) zugeordnet sind.

Nicht zu vergessen dürfen wir die Datenleitungen (NMEA 0183, SeaTalk und auch RS232 etc.). Komplett wird die Kennzeichnung aber erst, wenn auch der Bereich AC (230V) mit einbezogen wird. Hier sollte man aber den Fachbetrieb, der (hoffentlich) die Verkabelung vornimmt, mit einbeziehen und seine Wünsche diesbezüglich äußern.

Dokumentation der Verkabelung

Für welches System man sich auch immer entscheidet, wichtig ist eine ergänzende tabellarische Aufstellung der Kabel. Hier bietet sich eine Excel-Tabelle, die mehr oder weniger umfangreich gestaltet werden kann, hervorragend an. Kabelnummer und der Name sollte das Minimum sein.

Wer innerhalb seiner Verkabelung auch noch ältere, unterschiedlich farbige Kabel mitbenutzt, sollte auch die Farbe des Kabels mit in die Liste einbeziehen. Früher wurde z.B. bei Hallberg Rassy für die Plusleitungen oft die Farbe braun verwendet.

Excel-Liste: je mehr Informationen sie enthält, umso hilfreicher wird sie sein

Je mehr Informationen die Liste enthält, umso hilfreicher ist sie bei einer Reparatur oder einer Erweiterung des Bordnetzes. Optimal wären noch Querschnitt und Absicherung der Kabel mit aufzunehmen.

Ich habe alle Zeichnungen, Pläne, Anschlussskizzen und Verkabelungspläne auf DinA4 ausgedruckt und in eine Folie einlameniert. So sind sie etwa in einem Problemfall schnell zur Hand und leisten gute Dienste.

Eine andere Art der Dokumentation, sicherlich etwas aufwendiger, auf der nächsten Seite. Diese Dokumentation ist von meiner “kavenga“ aus dem Jahr 2002, heute würde ich eine Excel-Tabelle anfertigen.

Stromkreisverteiler

Weiter geht es mit dem Anschluss von Ladegerät, Lichtmaschine und sicherheitsrelevanten Verbrauchern an Bord.

>