Treibanker: Jordan Series Drogue selber bauen • KlabauterKiste

Jordan Treibanker selber bauen

Hier dokumentieren Oliver & Mirjam den Bau eines Treibankers nach dem Vorbild des Jordan Series Drogue (JSD)

Materialliste

  • LKW Plane 600 g/qm
  • Polypropylenband auf Spule 1 cm breit
  • Stylefix doppelseitiges Klebeband
  • 50 m Spezial-Kunststoffseil Typ DFW-HM  10 mm beidseitig mit Kausch
  • 40 m Spezial-Kunststoffseil Typ DFW-HM    8 mm beidseitig mit Kausch
  • PVC Kleber
  • Kabelbinder
  • Polyester Nähgarn
  • und GEDULD…

Begonnen haben wir damit, aus der LKW Plane Trapeze zu schneiden mit diesen Maßen
Ober- und Unterkante wurden jeweils um 1,5 cm umgeschlagen und mit PVC Kleber verklebt.
4 Segmente bilden jeweils einen Kegel (also bei uns 130 Kegel á 4 Segmente = 520 Stk. 😉 )
Diese wurden dann ebenfalls verklebt, sicherheitshalber mit einer Zickzack- Naht gesichert.
Die Stöße mit doppelseitigen Klebeband beklebt.
Gurtbänder zugeschnitten und aufgeklebt.

Das war bis dahin der spaßige Teil. Danach folgte das Nähen, Nähen, Nähen…

Etwas tricky war das Verbinden des letzten Stoßes, um anschließend den Kegel zu vollenden.
Auch hier wurde der Stoß mit PVC Kleber verklebt und das Band abschließend aufgenäht.

Mit der Nähmaschine (ohne Freiarm) kann man das Band zu ca. 2/3 von weit zu schmal gut vernähen, an der Engstelle näht man quer.

Ok… soweit so gut! 130 Kegel waren irgendwann fertig und mussten nun auf das Tau gespleißt werden.
Wir haben dazu hochverdichtetes Dyneema verwendet; die ersten 50 m á 10 mm und 40 m á 8 mm.
Somit haben wir eine Bruchlast am Anfang von ca. 10 to, hinten entsprechend abnehmend.
Ursprünglich wurde Squaretau empfohlen, was uns aber zu voluminös geworden wäre.
Das Spleißen ging mit einer Spleißnadel relativ zügig.
Gesichert wurden die Schlaufen mit zwei Kabelbindern.
Die hinteren Bänder wurden durch das Tau gesteckt,…
…mit einem Achterknoten versehen…
…und ebenfalls mit Kabelbinder gesichert.
Und auch, wenn man es zwischenzeitlich nicht glaubt, ist irgendwann der letzte Kegel verspleißt…
…und dann sieht es so aus.

Aufbewahrung des Treibankers

Tja, hierzu haben wir uns auch etwas einfallen lassen: 125 mm PVC Rohr, nebst Manschette vernietet und verklebt auf einer PVC Platte, das in einen BW-Seesack und das Ganze am Boden mit einer weiteren PVC Platte gedoppelt und vernietet.

So kann man den JSD aus dem Seesack heraus sicher auslaufen lassen, sollte er zum Einsatz kommen.

Hinzu kommen noch 10 m Kettenvorlauf 10 mm als Gewicht am Ende.

Außerdem:

  • 2 Hebegurte 2 to mit 7-facher Sicherheit Bruchlast
  • Schwerlastschäkel
  • 2 Ruckdämpfer im 10 mm Dyneema um eine gewisse Flexibilität ins System zu bringen

…und die richtige Befestigung an Bord sowie notwendige Verstärkungen des Hecks und des Niederganges.

Wir haben alles so ausgelegt, dass der JSD im Fall der Fälle, 10 Tonnen und mehr Zug aushält und die Kegel auch nach mehrtägigem Einsatz noch existent sind. Unser Boot wiegt beladen ca. 9 Tonnen.

Was wir hier beschrieben haben, ist unser Versuch einen JSD zu bauen, der so robust wie nur möglich ist und dem wir, wenn´s darauf ankommt, auch unser Leben anvertrauen.
Allerdings ist das nur die Umsetzung unserer Ideen und der evtl. Nachbau geschieht ausdrücklich auf eigene Gefahr!

Die Umsetzung dauerte, was den Bau anging, ca. 2 Wochen, 4 Hörbücher, ca. 30 Kannen Tee.

Über Sinn oder Unsinn, mag jeder selbst entscheiden.
Wir dachten uns: lieber haben und nie brauchen, als brauchen und nicht haben.

Für den, der sich dafür interessiert, hier ein Link, der uns in der Planung sehr viel geholfen hat: http://lampalzer.de/index.php/jordan-bremse

In diesem Sinne… viel Spaß!

Oliver & Mirjam

About the author

Jan

Nach vielen Monaten auf See als Crewmitglied von Traditionsseglern ist Jan jetzt auf eigenem Kiel unterwegs. Er lebt auf seiner Laurin32 ahora und betreibt von Bord aus die KlabauterKiste, den KlabauterShop und neuerdings auch BootsBastler.org.

  • Oliver Brandhorst sagt:

    Wir haben auf unserer Carena 35 selbst so ein BigPack 1000 ltr. Allerdings nicht um uns damit unter Brücken durchzuquetschen, sondern um im Falle des Festfahrens Krängung zu generieren, um so den Tiefgang zu vermindern. Geht prima! Gerade wenn die Skipperin zu leicht zum effektiven Ausbaumen und der Skipper mit anderem beschäftigt ist

  • Mark Eichberger sagt:

    Zum JSD: Danke fürs Teilen!! Was macht ihr denn mit dem Stapel? Falls ihr den verkaufen solltet – wo würde ich einen der JSDs bekommen? LG, Mark

  • Stephan sagt:

    Hallo,
    dass sieht ja sehr spannend aus. Konnten ihr das Konstrukt inzwischen testen? Was ergab die Auswertung des Testes?

    Gruß
    Stephan

    • Oliver sagt:

      Moin Stephan;

      „Leider“ oder zum Glück, kann ich Dir keine aktuelle Erfahrungswerte geben, die Deine Fragen in Gänze beantworten könnten. Da wir derzeit noch hauptsächlich am Ijsselmeer und Umgebung unterwegs sind, reichen i.d.R. die Wassertiefen nicht aus, um unseren Jordan zu testen. Immerhin zieht man im Einsatz schon eine ordentliche Schleppe hinter sich her, die ja auch einen gewissen Tiefgang hat.

      Zudem gehört er zu den Systemen, die man wohl erst benutzt, wenn es wirklich extrem wird und das sind ja eher auch Situationen, die man nicht unbedingt sucht, wenn man es vermeiden kann.

      Ich denke, die Wenigsten, würden auch „einfach mal so“ ihre Rettungsinsel testen, aber dennoch darauf vertrauen, dass sie im Fall der Fälle funktioniert

      Was die Haltbarkeit angeht, kann ich Dir nur sagen, dass ich alle mir zugänglichen Informationen eingeholt habe und die gewerblich produzierten Treibanker, mit weiniger robustem Material gebaut sind. Jeder Kegel ist so von uns gefertigt, dass er gut 300 % Mehrbelastung aushalten sollte, als die allgemein mit ca 100 – 150 KG pro Kegel angegeben ist. Insofern erhoffe ich mir auch eine lange Haltbarkeit im Einsatz

      Über Sinn oder Unsinn, das soll jeder für sich entscheiden. Für uns war es eine schöne Bastelarbeit, mit deren Ergebnis wir zufrieden sind und auch darauf vertrauen, sollten wir sie einsetzen müssen.

      Der Jordan ist letztlich ein Teil, zu dem man als Letztes greift und baut man Ihn sich selbst, kommt niemand darum herum, sich seine eigenen Gedanken zu machen.

      In diesem Sinne

      Oliver


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