Muff entfernen und gratis Whisky trinken

Dies ist eine Anleitung, wie man sich einen Ozon-Generator selber baut um schlechte Gerüche an Bord wirksam zu entfernen.

Da es im Segeln-Forum heiß diskutiert wurde, hier noch einmal ausdrücklich die Warnung:

Wechselstrom kann lebensgefährlich sein, es besteht potentiell Feuergefahr und Ozon ist giftig wenn man es einatmet. Darum: Nachmachen auf eigene Verantwortung! Während und nach dem Betrieb des Generators dürfen Räume für einige Stunden nicht betreten werden.

Wenn dich die Warnung nicht abgeschreckt hat zeige ich dir hier wie du

  • den „Kellergeruch“ in deiner Kajüte erfolgreich bekämpfst
  • eine Menge Geld sparst
  • eine Flasche Premium-Whisky „gratis“ bekommst

Das Problem

Solange ich mich erinnern kann hatte unsere Neptun22 diesen speziellen Geruch. Ein bisschen wie Omas Keller, gemischt mit Düften aus der Petroleumlampe und dem Spirituskocher.

Für mich hatte dieser Geruch immer eine positive Konnotation, da ich ihn fest mit meinen Segelurlauben als Kind verband. Allerdings habe selbst ich gemerkt, dass alles, was für mehr als einen Nachmittag an Bord war diesen Geruch annahm. Sämtliche Kleider rochen nach dem Urlaub nach „Boot“.

Nachdem ich das Boot an den Bodensee brachte eröffneten mir meine Freunde, dass das Boot einfach müffelt. Ich schätze bei ihnen fehlte einfach die Konditionierung „Bootgeruch = Segelurlaub“… Aber auch ich wurde mir bewusst, dass es wahrscheinlich auf Dauer nicht gesund ist, irgendwelche Schimmelsporen einzuatmen.

Die Lösung: Ozon

Ich suchte also nach einer Lösung, den Geruch los zu werden ohne sämtliche Wandverkleidungen zu entfernen und die Polster zu wechseln. Dabei stieß ich auf einen Artikel in der Yacht, in dem die Wunderwirkung eines Ozongenerators beschrieben wurde. Ozon ist reiner Sauerstoff, allerdings in einer besonders aggressiven Form, die sofort alle geruchsbildenden Stoffe attackiert und zersetzt. Nach kurzer Zeit verwandelt sich das Ozon wieder in „normalen“ Sauerstoff. Also quasi eine sehr ökologische Form der Geruchsbekämpfung ohne irgendwelche Chemikalien. Aber Achtung: Ozon ist auch für Menschen sehr schädlich, darum sollte man niemals in einem Raum mit dem laufenden Generator sein und auch nach dem Abschalten lange genug warten bis sich das Ozon zersetzt hat.

Dieses Wundermittel wollte ich natürlich mal ausprobieren, aber der Preis für ein solches Gerät (zwischen 200 und 500 €, je nach Ozonausstoß) war mir eindeutig zu teuer. Ich habe auch ein paar Mietangebote gefunden, aber die kosteten auch mindestens 30 € am Tag und hatten oft eine Mindestmietdauer von einer Woche.

Nach ein bisschen Stöbern auf Amazon fand ich schließlich einen extrem günstigen Ozongenerator mit einer starken Leistung von 10.000 mg Ozon pro Stunde. Das einzige Problem war, dass es nur der Generator war, ohne Gehäuse, Kabel, Ventilator, Timer und so weiter. Ich war zunächst skeptisch aber habe das Gerät dann einfach mal bestellt und mein eigenes Gehäuse drumherum gebaut.

Und hier kommt der Whisky ins Spiel: Ich habe als Gehäuse einfach eine Box von einem Premium-Whisky genommen, die ich von einem Freund bekommen habe (leider ohne Inhalt…). Dazu kam noch ein Ventilator für die Kühlung und die Verteilung des Ozons und ein paar Elektro-Kleinteile, die ich noch rumliegen hatte.

Der Versuch

Nach einem Bastelabend probierte ich das Ganze am nächsten Morgen an Bord aus. Da der Ozongenerator warme Luft und niedrige Luftfeuchtigkeit benötigt habe ich zunächst die winterliche Kajüte eine Stunde lang mit einem 1000-W-Elektroheizer vorgeheizt. Zur Sicherheit habe ich den Heizer dann direkt hinter den Lüfter gestellt um dafür zu sorgen, dass die Luft so warm und trocken wie möglich war. Unter das Ganze kam noch ein Backblech, falls irgendetwas zu heiß werden sollte. Dann machte ich alle Luken dicht mit Ausnahme eines kleinen Schlitzes für das Kabel. Und dann: Stecker rein (von außen natürlich!).

Der Ozongenerator an Bord

Das Resultat

Schon nach ein paar Sekunden konnte ich einen Ozongeruch durch den Schlitz wahrnehmen und nach ein paar Minuten roch es sogar auf dem Steg wie im Schwimmbad. Ich wartete in sicherer Entfernung und zog nach 30 Minuten den Stecker um die Ozon-Produktion zu stoppen.

Nach einigen Stunden (es dauert eine Weile, bis das Ozon wieder zu „normalem“ Sauerstoff zerfallen ist) war es Zeit für einen Schnuppertest. Ich war überwältigt: Der Muff-Geruch war komplett verschwunden! Innen roch es frisch und nur ein ganz leichter „Schwimmbadgeruch“ war noch zu vernehmen.

Aber wie war das jetzt mit dem Gratis-Whisky? Naja, von dem Geld, was du im Vergleich zum Kauf eines kommerziellen Ozongenerators sparst kannst du dir locker auch den Inhalt der Whisky-Box leisten…

 

Habt ihr auch Erfahrung mit einer Ozonbehandlung? Oder sonst einen Tipp, wie man unangenehme Gerüche an Bord los wird? Dann schreibt einfach einen Kommentar unter diesen Artikel!

Nachtrag:

Nach einigen Wochen kam der muffige Geruch (in abgeschwächter Form) zurück. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass sich Geruchsquellen wie Schimmelpilze eben nach einer Weile wieder ausbreiten, wenn man nichts gegen die Ursache (z.B. Feuchtigkeit in den Polstern) unternimmt. Aber in so einem Fall kann man die Ozonbehandlung ja einfach nach Belieben wiederholen, bis man die Zeit findet, der Ursache des Problems auf den Grund zu gehen.

Nachtrag, der 2.:

Bei Ebay gibt es sogar einen doppelt so starken Generator inklusive Lüfter für einen extrem günstigen Preis. Habe den allerdings noch nicht ausprobiert, darum keine Ahnung ob der hält was er verspricht…

Nachtrag, der 3.:

Wuggi aus dem Yacht-Forum hat den Ozon-Generator anstelle der Heizspirale in das Gehäuse eines Heizlüfters eingebaut:

Er hat die Ozonplatten vom Trafo mit dem Multimaster abgetrennt und das Gehäuse mit einem Heißluftföhn leicht angeschmolzen um Platz für den Trafo zu schaffen. So verpackt sieht das Gerät schon fast professionell aus…

Geschrieben von
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16 Comments

  • Wenn man das Ozon unmittelbar nach der Erzeugung durch einen Heizer schickt, wird der größte Teil des Ozons schon im Heizer zerfallen ( 1 xO³ -> 1 x O² + O (nascierender Sauerstoff, extrem aggresiv); 2 x O -> 1 x O²), denn Ozon macht das im Kontakt mit beliebigen Oberflächen. Auf diese Weise wird ein Großteil der Wirkung verschenkt.
    Wahrscheinlich hätte das Trocknen allein die gleiche Wirkung gehabt.

    • Vielen Dank für deinen Kommentar. Das stimmt natürlich. Darum habe ich den Lüfter VOR dem Ozongenerator platziert. Das heißt die Luft wird erst erwärmt (und damit auch gleichzeitig trockener) und dann durch den Ozongenerator geschickt. Jedenfalls hat das Resultat überzeugt…

    • Danke für den Kommentar! Ja, schade dass der Beitrag im Forum geschlossen wurde. Natürlich ist Ozon nicht ungefährlich, aber darum habe ich ja auch im ersten Satz vor den Risiken gewarnt.

      Also bitte VORSICHTIG beim Nachmachen!

      Und schreib mir doch mal eine Mail mit deinen Erfahrungen!

      Liebe Grüße vom Bodensee,
      Jan

  • Hallo Jan, drückst du mit dem Lüfter Frischluft durch das Gehäuse oder saugt er nach außen? Entschuldige, wenn dir die Frage etwas banal erscheint. Im Übrigen finde ich Deine Idee mit dieser Website wirklich prima. Beste Grüße, Heiko

    • Hallo Heiko,

      danke für das Kompliment, ich werde versuchen die Seite weiter auszubauen. Bezüglich deiner Frage: ich habe erst den Heizlüfter um die Luft zu erwärmen. Dahinter kommt dann der Lüfter, der die warme Luft durch die Box am Ozongenerator vorbei leitet (also drückt).
      Sag Bescheid wenn du noch mehr Fragen hast! Und berichte mal ob es geklappt hat (bitte Warnhinweise beachten!).

      Liebe Grüße

      Jan

  • Klar, dass ich kurz berichten werde. Mitte Februar dürfte ich mich an das gute Stück machen können. Habe eben die Teile bestellt. Bis dann, Heiko

  • Moin Jan
    Als Norddeutscher bevorzuge ich Rum, aber trotzdem vielen Dank für den Tipp. Und lass dich durch die Segeln-Forum Sperrung nicht irritieren oder verunsichern. Würde mich freuen, da öfter was von dr zu lesen.

    Viele Grüße von der Ostsee,
    (auch) Jan

    • Moin moin,

      vielen Dank für das Lob, ich werde versuchen die Seite hier noch ordentlich zu erweitern. Wenn du selbst ein spannendes Bastelprojekt hast kann ich dir gerne einen Gastautor-Account einrichten…

      Grüße ausm Süden
      Jan (Ich trinke auch lieber Rum. Aber der hat nicht so schöne Boxen… 😉 )

  • Da ich mir das Ding ja auch bestellt habe, habe ich ein wenig zu dem Thema rumgesurft.

    Die Temperatur sollte nie über 25 Grad kommen.
    Die Idee mit dem Heizlüfter ist somit nicht ganz so gut.

    Und es muss alles ganz trocken sein.
    Sonst kann Salpetersäure entstehen.

  • Hallo Jan,
    Danke für den Tipp/Anleitung hier. Ich hab auch einen etwas muffigen Geruch im Schiff, kann die Ursache leider nicht lokalisieren.Ich habe eine komplett 100% trockenen Bilge. Die Luftfeuchtigkeit ist dennoch meist etwas zu hoch. Keine Ahnung, warum. Das ganze Wochenende lief jetzt ein Luftentfeuchter. Habe mir vor kurzem diesen 10000mg/h Ozongenerator bei eBay gekauft für 23,99 EUR (kostenloser Versand).

    Heute habe ich den Ozongenerator 1h lang in meinem 41? Schiff laufen lassen, davor einen kleinen Ventilator gestellt, um den Generator zu kühlen. Während der Behandlung habe ich alles dicht gehabt. Ich selbst war natürlich nicht im Innenraum. Nach einer Stunde dann von aussen den Stecker gezogen und nach Hause gefahren. Kommende Woche gebe ich Rückinfo, ob es geklappt hat.

    • Hallo Dos,
      schöne Sache, bin gespannt auf die Ergebnisse. Natürlich ist es besser die Geruchsquelle ausfindig zu machen, aber zur Not geht es auch so. Kann dann sein dass du die Prozedur ab und zu Mal wiederholen musst…
      Liebe Grüße von Bord aus Kappeln,
      Jan

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