Osmose-Sanierung: Rebell Mark II

...werden unebene Stellen...

Osmose: der Alptraum jedes GFK-Bootsbesitzers. Im folgenden Bericht beschreibt Udo Fuellhaas aus Konstanz, wie er das Unterwasserschiff seiner Rebell Mark II komplett saniert hat. Viel Spaß beim Lesen!

Omose: ja, vielleicht … oder doch nicht?

Kaum ein Thema bewegt den Eigner einer GFK-Yacht mehr als die Furcht vor einem Osmose-Befall seines Bootes. Osmose ist das Zersetzen von Teilen des Laminats durch das Eindringen von Feuchtigkeit – in erster Linie beim Unterwasserschiff. Nach außen zeigt sich Osmose-Befall durch Bläschenbildung. Sticht man die Bläschen an, riecht die austretende Flüssigkeit sauer. Etwa wie Essig. In solchen Fällen ist dringender Handlungsbedarf gegeben. Denn: wenn man nichts unternimmt, kann dies über kurz oder lang der „Tod“ des geliebten Bootes bedeuten. Bei der Beurteilung der potentiellen Osmosegefahr gehen die Meinungen weit auseinander: einige gehen davon aus, dass Osmose schon bei der Herstellung des Bootes mitgegeben wird. Andere sehen das gelassener, vor allem wenn man in Süsswasser Revieren zu Hause ist und das Boot den Winter über an Land verbringt. Bei meiner Rebell wurde übrigens Osmose festgestellt. Oder doch nicht?

Ausgangslage

Die Rebell habe ich 2008 vom damaligen Eigner gekauft, der das Boot über 25 Jahre gesegelt hat. In dieser Zeit hat er das Unterwasserschiff jedes Jahr nur gereinigt und mit Antifouling gestrichen. Mir war klar, dass irgendwann ein Neuaufbau notwendig sein würde: die Oberfläche des Unterwasserschiffs war rau und sah aus wie eine Kraterlandschaft.

Dennoch hat es bis 2014 gedauert, bis ich mich mit dem Thema näher befassen konnte. Da ich für die anstehende Sanierung keine Vorkenntnisse und zudem immer wieder von Osmose gehört hatte, bat ich eine Firma in Bodmann um eine Einschätzung der Lage. Hierbei kam nach Prüfung der Feuchtigkeit des Unterwasserschiffs und Prüfung von Bläschen (die man erst sehen konnte, als man das Gelcoat freilegte) Osmosebefall heraus. Eine Reparatur sollte 7.000 € (ohne Garantie) bzw. 9.000 € (mit 3 Jahres-Garantie) kosten. Das hat zum einen mein Budget überschritten, zum anderen das Selbermachen-Gen aktiviert.

Also habe ich mich schlau gemacht und hatte mit dem Geschäftsführer eines großen Lack-Geschäfts in Konstanz einen anerkannten Fachmann an meiner Seite, der mir gute Ratschläge geben konnte.

Die Sanierung sollte auf dem Aussengelände in Radolfzell erfolgen, wobei das Boot auf dem Trailer belassen wurde. Um das Boot sicher abzustützen, habe ich zwei Baustützen besorgt. Die habe ich an der Scheuerleiste angesetzt und gesichert, wenn ich die Bootsstützen des Trailers einseitig abmontiert hatte, um eine durchgängige Arbeitsfläche pro Bootsseite zu erhalten.

An dieser Stelle sei gesagt, dass sich in Zusammenarbeit mit einem Osmose-Spezialisten der Firma Hempel, der einen Infotag in Konstanz abhielt, bei meinem Boot dann doch keine Osmose festgestellt wurde. Die Feuchtigkeitswerte des Unterwasserschiffs waren allesamt im grünen Bereich, die Bläschen im Gelcoat stellten sich als reine Lufteinschlüsse heraus, die typisch sind für einfache Handlaminate aus den 1970er Jahren.

Ich habe mich dennoch zu einer Osmose-Sanierung entschlossen, da sich Arbeitsaufwand und Kosten im Verhältnis zu einer „normalen“ Unterwasserschiff-Sanierung in etwa die Waage halten. Ausserdem ist man dann „auf der sicheren Seite“, was einen späteren Osmose-Befall angeht.

Ich habe Produkte der Firma Hempel eingesetzt, mit denen ich sehr zufrieden war. Andere Hersteller haben ebenfalls gute Produkte im Angebot. Allerdings muss man darauf achten, die Produkte verschiedener Hersteller nicht zu mischen, da sich dann die gewünschten Ergebnisse nicht einstellen.

Arbeitsplan erstellen

Eine Osmose-Sanierung setzt sich aus folgenden Arbeitsschritten zusammen:

  • Einsatz der benötigten Sanierungs-Produkte sowie Mengen festlegen; Kostenplan erstellen (Aufwand: ca. 2 Tage, da man hier Expertenrat einholen sollte)
  • Abtragen des Gelcoats, bis alle Bläschen verschwunden sind (Aufwand: ca. 18 – 20 Stunden)
  • Druckspülung des Rumpfes zum Entfernen von Salzen, dann komplett austrocknen lassen (Dauer: ca. 1 – 4 Wochen reine Trocknungszeit)
  • Auftragen der ersten Schicht „Hempel Light Primer“ (Aufwand: ca.2 Stunden)
  • Schliessen und Schleifen von verbleibenden Rissen oder Schäden im Rumpf mit „Hempel Universal Spachtel“ (Aufwand: ca. 2 Stunden)
  • Nach jeweils 1 ½ Stunden Wartezeit 4 weitere Schichten „Hempel Light Primer“ auftragen (Aufwand: ca. 6 Stunden)
  • Abschliessend 2 Lagen Antifouling „Hempel Water Glide“ auftragen ohne Zwischenpause (Aufwand: ca. 3 Stunden).

Zusätzlich zum Arbeitsaufwand sind Materialkosten von ca. 1.000 € angefallen. Exzenterschleifer und Nass-/Trockensauger waren bereits vorhanden. Für den Fall der Fälle habe ich mir zudem ein Profigerät angeschafft, das dann jedoch nicht zum Einsatz kam: den Gelcoat-Hobel „GelPlane“ von M.u.H von der Linden GmbH.

Vorgehensweise im Detail

Das Abschleifen des Gelcoats ist die zeitintensivste und unangenehmste Arbeit. Hier gibt es verschiedene Techniken, um die Oberfläche zu bearbeiten. Ich habe mich für den Einsatz eines Exzenterschleifers mit angeschlossenem Nass-/Trockensauger entschlossen. Das Schleifmittel für die Grobarbeit hatte eine 24er-Körnung. Meinen „harten“ Arbeitseinsatz habe ich bei Youtube als Video hinterlegt:

Ich habe übrigens über den Wasserpass hinaus abgeschliffen, da auch dort Bläschen vorhanden waren. Der Wasserpass war auch nach dem Abschleifen konstruktionsbedingt noch erkennbar und konnte daher abgeklebt werden.

Hier gibt es einen kleinen Eindruck der Arbeitsschritte:

Erfahrungen / Empfehlungen

Am wichtigsten ist die exakte Analyse, ob eine Osmose vorliegt oder nicht. Dies lässt sich am besten nach dem Auswassern des Bootes bewerkstelligen. Zeigen sich Bläschen, sollten die aufgestochen werden. Falls sauer riechende Flüssigkeit austritt, liegt ziemlich eindeutig Osmose vor. Um ganz sicher zu sein, ist aber spätestens jetzt ein Fachmann beizuziehen. Der hat auch das Messgerät parat, um den Feuchtigkeitsgehalt im Rumpf zu ermitteln.

Der nächste entscheidende Punkt ist, ob man die anstehende Osmose-Sanierung selber durchführen möchte. Dies ist keine spassige Arbeit. Vor allem das Abtragen des Gelcoats ist reine Knochenarbeit. Zudem gesundheitsgefährdend, wenn man nicht Schutzkleidung, Atemmaske, Schutzbrille und Gehörschutz verwendet.

Berücksichtigen sollte man auch, dass Primer, Spachtelmassen, Schleifmaterial, Farbwannen und -rollen nicht ganz billig sind. Die tatsächlichen Kosten hängen von der Grösse des Unterwasserschiffs ab. Hier kann ich die Broschüre „Technische Information Osmose [Englisch]“  von West System empfehlen, die neben einer verständlichen und nicht zu umfangreichen Beschreibung der Arbeitsschritte zur Osmose-Sanierung auch eine Kalkulation der Materialmengen je nach Bootsgrösse ausweist. Diese Broschüre gibt es auch auf deutsch in einigen Fachhandlungen.

Bereit für neue Abenteuer auf dem Bodensee: Die Rebell von Udo Fuellhaas

Ich wünsche all diejenigen, die eine Osmose-Sanierung selbst durchführen wollen, gutes Gelingen!

Übrigens: sowohl meine Rebell als auch ich haben alles gut überstanden. 🙂

Handbreit,

Udo

 

Herzlichen Dank an Udo für den interessanten Bericht. Wenn ihr Lust habt, mal auf dem Bodensee segeln zu gehen: auf http://www.mitsegeln-auf-dem-bodensee.de bietet Udo Mitsegeltörns auf seiner schicken Bavaria 30 Cruiser an.

 

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