Winsch-Wartung - Reinigen und Fetten von Schot- und Fallwinschen

Winsch-Wartung – Reinigen und Fetten von Schot- und Fallwinschen

Winsch-Wartung

Teilweise empfehlen die Hersteller eine Wartung der Winschen mehrmals pro Saison. Auch wenn das für Otto-Normalsegler sicher etwas übertrieben ist, so lohnt es sich doch, regelmäßig das Innere der Winschen zu begutachten. So kann man relativ leicht erkennen, ob eine Winsch-Wartung nötig ist oder nicht. Das dient vor allem der Sicherheit: Wenn eine Sperrklinke nicht packt, kann die Winsch durchdrehen und so schnell ernsthafte Verletzungen verursachen. Mit regelmäßiger Wartung wird außerdem die Lebensdauer der doch recht teuren Winschen erhöht.

Die Beispielwinsch in diesem Artikel

In diesem Artikel zeigen wir, wie du deine Winschen gängig und leichtlaufend hältst. In unserem Beispiel warten wir alte, nicht-selbstholende 2-Gang-Winschen. Das Prinzip bei selbstholenden Winschen ist das Gleiche.

Winsch öffnen

Im ersten Schritt muss die Winsch geöffnet werden. Im Idealfall demontierst du die Winsch vorher, sodass du die Arbeit im geschützten Cockpit oder daheim im Keller durchführen kannst. In der Praxis ist das natürlich nicht immer möglich. Willst du die Winsch an Deck öffnen, so achte bitte darauf, dass keine Teile über Bord gehen können. Gerade bei älteren Modellen kann es beim Öffnen passieren, dass Federn oder Sperrklinken herausfallen.

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Tipp: Wenn die Winsch weit außenbords montiert ist, kannst du einen Müllsack oder eine kleine Plane mit Tape an Bordwand und Reling befestigen, sodass Kleinteile aufgefangen werden.

In der Regel müssen nur wenige Schrauben an der Oberseite der Winsch gelöst werden, um den Deckel abnehmen zu können. Dann kann man meistens auch die Trommel direkt abheben.

Ist eine Winsch-Wartung überhaupt nötig?

Diese Winsch hat offensichtlich seit Jahren keine Wartung mehr erlebt.

Nun kann man schon ganz gut einschätzen, ob es Zeit für eine Wartung der Winsch ist: Ist das Fett schmutzig braun oder schwarz und vielleicht sogar mit grobem Dreck versetzt? Ist der Fettfilm auf dem Getriebe nicht mehr gleichmäßig verteilt? Sind Salzablagerungen im Inneren zu sehen? Ist das Klacken der Sperrklinken nicht mehr so „satt“ wie zu Anfang? Dann solltest du auf jeden Fall mit der Wartung deiner Winsch beginnen.

Ist das Fett dagegen sauber und auf allen Flächen gut verteilt und die Winsch macht keine auffälligen Geräusche, so kann das Warten noch etwas warten. Schaden tut es aber trotzdem nicht, schließlich sind Winschen hochbelastete Teile und zudem sehr teuer, wenn du sie ersetzen musst…

Getriebe demontieren

Die Demontage des Getriebes ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. In der Regel wirst du recht schnell merken, welches Teil sich als nächstes abnehmen oder abschrauben lässt. Viele Hersteller bieten auch Explosionszeichnungen der Getriebe im Internet an.

Beim Auseinandernehmen der Winsch ist es in jedem Fall sinnvoll, Fotos von den einzelnen Schritten zu machen. Dann kannst du hinterher die Winsch in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammensetzen und musst dich nicht wundern, wo die übriggebliebene  Sperrklinke hin kommt.

Generell solltest du versuchen, möglichst alle Teile zu demontieren. Wenn das nicht möglich ist, dann zumindest so weit, dass du alle Teile vernünftig reinigen kannst.

Reinigen der Winsch

Zunächst kannst du mit einem Holzstückchen oder einem alten Lappen den groben Schmutz abstreifen. Als Reinigungsmittel, um das alte Fett von den Oberflächen zu entfernen, kannst du, je nach Verfügbarkeit, Petroleum oder Waschbenzin verwenden (ölfeste Handschuhe tragen!). Es gibt auch Leute, die Diesel zum Reinigen empfehlen, andere allerdings raten davon ab. Nach dem Reinigen mit Diesel oder Petroleum ist es wichtig, hinterher trotzdem noch mit einem Lappen mit Waschbenzin nachzuwischen. Damit entfernst du den Ölfilm, an dem das Winschenfett sonst nicht so gut haften würde. Achte darauf, dass der Raum gut belüftet ist, insbesondere beim Arbeiten mit Benzin!

Zum Reinigen ist eine alte Zahnbürste optimal. Kleine Teile kannst du direkt in einem Behälter mit dem Reinigungsmittel abbürsten, bei größeren kannst du die Zahnbürste immer wieder eintauchen und dann damit das Fett abschrubben. Gut eignet sich auch ein abgeschnittener 5-Liter Kanister.

Achtung: Nach der Aktion bitte das Reinigungsmittel umweltgerecht entsorgen!

Austausch von Verschleißteilen

Vor allem die Federn sollten von Zeit zu Zeit ersetzt werden.

Alle Zahnräder und Sperrklinken sollten auf ungewöhnlichen Materialabtrag untersucht und im Zweifel ausgetauscht werden. Normalerweise sind die Getriebe sehr langlebig, aber eine Winsch, die jahrelang nicht gewartet wurde, kann durch Schmutz oder Salz im Getriebe in Mittleidenschaft gezogen werden.

Auch alle Federn solltest du einmal näher ansehen. Ist die Federspannung noch ausreichend? Im Zweifel gilt hier: lieber austauschen. Viele Hersteller bieten Service-Kits für die Winsch-Wartung. Diese enthalten Federn und andere Verschleißteile. Wer alle paar Jahre die im Service-Kit enthaltenen Teile austauscht, fährt auf der sicheren Seite und kann die alten Teile als Ersatzteile an Bord mitnehmen.

Winsch fetten und ölen

Nach dem Reinigen wird die Winsch gefettet. Dabei sollte nur synthetisches Hochleistungsfett verwendet werden, zum Beispiel das Winschfett von LiquiMolly oder das in den Wartungskits der Hersteller enthaltene. Wichtig ist es hier, dass alle Reibungsflächen dünn mit Fett bestrichen werden. Zu viel ist hier eher kontraproduktiv, da die hervorquellenden Fettwülste dann nur unnötig Dreck aufnehmen und die Winsch schwergängiger wird. Allerdings muss die Winsch bei dünnem Auftrag auch häufiger nachgefettet werden.

Gerade bei Zahnrädern bietet es sich an, das Fett auf die Zähne aufzutragen, dann die Räder ineinander greifen zu lassen und so das Fett zu verteilen. Das dabei hervorquellende Fett außerhalb der Laufflächen kann man mit einem sauberen Tuch abwischen.

Die Sperrklinken kann man auch (sehr dünn) mit Winschenfett fetten. Manche Hersteller empfehlen aber, hier nur Öl (z.B. Ballistol) zu verwenden, da dadurch das Risiko des Verharzens verhindert wird. Das Gleiche gilt für Wälzlager.

Zusammenbau und Test

Nachdem du alle Teile gereinigt und gefettet hast, kannst du die Winsch wieder zusammen bauen. Jetzt zahlt es sich aus, wenn du beim Auseinanderbauen Bilder gemacht hast. In jedem Fall ist es wichtig, dass du die Winsch nach dem Fetten mehrmals in beide Richtungen drehst, um das Fett gut im Getriebe zu verteilen. Achte darauf, dass die Sperrklinken ein „sattes“ einrastendes „klickerndes“ Geräusch machen. Sollte das nicht der Fall sein (zum Beispiel ein eher langsames, dumpfes Klacken), hilft nur ein erneutes Auseinanderbauen, um die Leichtgängigkeit der Klinken zu überprüfen.

Ansonsten steht nun einem guten Start in die Saison nichts mehr im Wege…


Vielen Dank an Lutz von Meyerinck für die Hinweise zum Artikel!

Wie wartest du deine Winschen? Hast du noch weitere Tricks oder Empfehlungen? Schreib uns einfach einen Kommentar!

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  • Markus Lowack sagt:

    Habe letzten Winter meine fast 40 Jahre alten Barlow 40st Winschen einem kompletten Refit unterzogen. Sperrklinken und Federn neu, alles gereinigt und zu guter Letzt sogar die Glocken neu verchromen lassen. Für Knapp 150€ (Ersatzteile sowie Kosten für entchromen und verchromen) pro Winsch habe ich nun 2 Winschen in einem fast neuwertigen Zustand. Nächsten Winter werde ich die Nadellager noch tauschen, dann sind quasi alle Verschleißteile neu und bereit die nächsten 40 Jahre anzugehen.

    Es muss also nicht immer gleich neu sein. Mit guter Wartung und nötigenfalls auch ein paar handelsüblichen Ersatzteilen, kann eine Winsch auch die sprichwörtlichen „100 Jahre“ halten.


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