Gasanlage auf dem Boot - Gas an Bord nach G608 sicher installieren

Gasanlage auf dem Boot – Die wichtigsten Regeln

Gasanlage auf dem Boot

Die Gasanlage auf dem Boot ist ein heikles Thema: Flüssiggas ist hochentzündlich und in Verbindung mit Sauerstoff sogar explosiv. Auf Booten gibt es das zusätzliche Problem, dass das Gas schwerer ist als Luft. Durch den geschlossenen Rumpf kann es nicht „abfließen“ und sammelt sich so bei einem Leck in der Gasanlage in der Bilge.

Trotzdem hat sich Gas als der beliebteste Brennstoff zum Kochen an Bord durchgesetzt. Und zum Glück ist die Zahl der schweren Unfälle mit Gasanlagen auf dem Boot erstaunlich gering. Dies liegt nicht zuletzt an strengen Normen und Regelungen für Gasanlagen an Bord und an den gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen.

Vorschriften für Gas an Bord

In der Europäischen Union ist die Installation von Gasanlagen auf dem Boot durch die Regeln der Norm DIN EN ISO 10239 festgelegt. Die Kontrolle erfolgt nach den Regeln im Arbeitsblatt G608 des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Sie muss alle zwei Jahre durch einen zertifizierten Sachverständigen erfolgen.

Unabhänging von dieser Vorschrift ist es Teil guter Seemannschaft, sich selber von der Sicherheit der Anlage an Bord überzeugen zu können. Aber auch (und insbesondere) beim Gebrauchtbootkauf solltet ihr besonderes Augenmerk auf die Sicherheit der Gasanlage Boot legen.

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Im Folgenden hat Thomas Hermann-Hueber, Sachkundiger nach G607 und G608, die wichtigsten Regeln für den Aufbau der Gasanlage auf Sportbooten für euch zusammen gefasst.

Bitte beachten: Dies ist keine Anleitung, eine Gasanlage auf dem Boot selber zu installieren. Dafür sollte man definitiv einen Fachmann zu Rate ziehen!


Grundlagen zur Installation einer Gasanlage auf dem Boot

Dies ist eine kurze Zusammenfassung der Vorschriften für die Installation bzw. wiederkehrende Prüfung an einer Flüssiggasanlage auf Booten nach G608.

Was kann, darf, muss in eine Gasanlage für Boote nach G608?

Grundsätzlich gilt: Alles, was an Gasgeräten auf einem Schiff verbaut wird, muss für den Betrieb auf Booten zugelassen sein (Segelbootpiktogramm). Außerdem müssen alle Geräte eine CE Prüfnummer tragen und eine Zündsicherung haben.

Regeln für Neuinstallationen

Neuinstallationen der Gasanlage dürfen nur noch in 30 mbar ausgeführt werden. Mischanlagen mit unterschiedlichen Drücken, z.B. 30 + 50 mbar sind verboten.

Rohrleitungen
  • Rohrleitungen müssen aus Kupferrohr oder Edelstahl bestehen, am besten mit DVGW Prüfstempel. Es wird meist 8mm Durchmesser mit 1mm Wandstärke verwendet.
  • Edelstahlrohre sind zwar zulässig, aber wegen der erforderlichen Vorbördelung schwer zu verarbeiten. Bei Verwendung von VA Rohren müssen auch sämtliche Verbinder und Absperrventile aus VA sein.
  • Rohrleitungen aus Kupfer müssen alle 50 cm mit gummiarmierten Rohrschellen befestigt werden, Edelstahlrohre alle 100 cm.
  • Gasrohre dürfen nicht gelötet oder verpresst werden.
  • Alle Schneidringschraubverbindungen, Absperrventile o.ä. müssen aus Messing sein, die Enden der Kupferrohre müssen mit Stützhülsen aus Messing verstärkt werden. Dazu müssen die Schnittränder entgratet werden, damit die Stützhülse sich gut einschlagen läßt. Ich nehme einen Kunststoffhammer dazu.
  • Die Verwendung von Klemmverschraubungen ist zulässig, aber fehleranfällig, weil die Verbindungen oft zu fest angezogen und dann undicht werden. Diese Verschraubungen werden häufig auf skandinavischen Schiffen verwendet.
  • Rohrdurchführungen, z.B. durch Schottwände oder Möbel, müssen mit Schottdurchführungen oder berührungsfrei ausgeführt werden. Die Verwendung von z.B. Gummidurchführungen ist erlaubt, es geht um die Vermeidung von Scheuergefahr.
  • Die Verlegung in Rohren (z.B. wie sie für Elektroinstallationen verwendet werden) ist nicht zulässig.
  • Die Gasleitung muss überall optisch kontrollierbar sein. (Diese Forderung wird auch von vielen Werften nicht erfüllt.)
  • Es dürfen keine elektrischen Leitungen an den Gasrohren befestigt werden.
Schläuche
  • Schläuche müssen Produktionsjahr und DVGW Zulassung (CE Nr.) tragen.
  • Verbindungen zu den Verschraubungen müssen fest eingebunden sein. Schlauchleitungen, die z.B. mit Schlauchschellen an andere Verbindungen angebracht sind, sind unzulässig. Es müssen Messingverbindungen verwendet werden, keine verzinkten Verbindungen.
  • Die Schlauchlänge vom Regler zur Rohrleitung darf maximal 40 cm, von der Rohrleitung zum Gasgerät max. 40 cm betragen. Bei schwenkbaren, herausziehbaren und/oder kardanisch aufgehängten Kochern sind maximal 60 cm zulässig.
Gasdruckregler
  • Es müssen Druckregler mit 30 mbar Ausgangsdruck und Marinezulassung verwendet werden.
  • Die Regler müssen mit Manometer und Überdruckventil ausgestattet sein.
  • Die Verwendung von zwischengeschalteten Leckwarn- und Suchgeräten ist erlaubt.
  • Es dürfen keine Regler mit variabler Druckregelung verwendet werden.
Absperrhähne
  • Vor jedem Gasgerät muss ein Absperrventil angebracht sein. Das Zusammenfassen mehrerer Absperreinrichtungen in einem Ventilblock ist zulässig, sofern die einzelnen Geräte mit Symbolen eindeutig zu identifizieren sind. Die Stellung „Auf-Zu“ muss eindeutig zu erkennen sein.
  • Ist nur ein Verbrauchsgerät angeschlossen (meist ein Herd), kann auf ein Absperrventil verzichtet werden, sofern das Absperrventil der Gasflasche in Reichweite liegt. Auch die Verwendung eines elektrischen Fernabperrventils ist zulässig, und man kann dann auf das Absperrventil vor dem Einzelgerät verzichten. (Wohlgemerkt, nur bei einer einzigen Verbrauchseinrichtung.)
Gasflaschen
  • Die Verwendung von geprüften Butangas- oder Propangasflaschen ist zulässig, auch Tankflaschen dürfen verwendet werden. Ein Betanken an einer Gastankstelle ist jedoch nur erlaubt, wenn diese fest im Schiff verbaut sind. Dazu müssten sie als Gastanks geprüft und zugelassen sein. (Was natürlich ein Betanken so gut wie unmöglich macht, denn wo findet man eine Flüssiggastankstelle mit Bootsanleger? Da hat die Flüssiggasflaschenlobby ganze Arbeit geleistet…)
  • Gasflaschen müssen ein Entnahmeventil mit Überdrucksicherung haben. Bei Campingazflaschen muss ein Sicherheitsentnahmeventil mit einer Überdrucksicherung 14 bar verwendet werden (seit Neuestem blaue Kappe, früher nur Aufprägung am Ventil), an dem der Regler verschraubt wird.
  • Auch bei Flaschen ohne Entnahmeventil (z.B. ausländischen Flaschen) muss ein entsprechendes Sicherheitsventil verwendet werden. (Propan- oder Mischgas ca. 20 bar, Butan ca 14 bar).
  • Das Befüllen von Propangasflaschen mit Butan- oder Mischgas ist erlaubt, umgekehrt ist es verboten und gefährlich (siehe unten). Als sehr praktisch setzen sich jetzt mehr und mehr die Aluminium- oder Fiberglasflaschen durch. Sie sind leicht zu transportieren und können auch im Ausland befüllt werden.
  • Viele Leute verwenden die blaue Campingazflasche, die fast überall getauscht werden kann. Die Füllung ist jedoch teuer.

Ganz Schlaue lassen die Campinggaz-Flaschen oft irgendwo mit irgendeinem Gas befüllen. Das Befüllen von Butangasflaschen mit Propangas(gemisch) ist verboten, weil lebensgefährlich! Butan hat einen viel geringeren Druck als Propan, für den Druck von Propangas sind Butangasflaschen nicht ausgelegt. Auch das vermeintlich billige Selbstumfüllen von Propangas in Butangasflaschen ist nur dann zu empfehlen, wenn man Selbstmordgedanken hegt.

Gasflaschenkasten
  • Gasflaschen müssen in gasdichten Flaschenkästen, verdrehsicher und aufrecht stehend untergebracht sein.
  • Der Kasten muss von oben zugänglich sein und einen dicht schließendem Deckel haben, z.B. eine Backskiste mit Ablauf.
  • Alternativ ist ein Kasten mit Türe an Deck oder z.B. hinter dem Steuerstand möglich.
  • Als Entlüftung muss eine unverschließbare Öffnung von 2 cm² am möglichst tiefsten Punkt fallend außerbord führen. Nicht in den Cockpitlenzer oder Ähnliches!
  • Im Flaschenkasten, der auch Platz für eine Ersatzflasche haben kann, darf keine Zündquelle, z.B. elektrische Verbindung installiert sein. Das Durchleiten von durchgehenden Kabeln ist zulässig.
  • Die Ersatzflasche darf auch an anderer belüfteter Stelle z.B. Ankerkasten mitgeführt werden, nicht jedoch in einer Backskiste ohne Belüftung, wie man das oft bei Charteryachten sieht.

Wichtig ist das Stichwort ‚gasdicht‘. Ich persönlich verwende auf meinem neu erworbenen Schiff mit einer ziemlich hahnebüchenen Gasinstallation für den Überführungstörn als Provisorium für die 2,7kg Campingazflasche eine Art Ortlieb Tasche, die ich mit einem Entlüftungsstutzen und Wellschlauch außenbords entlüfte, den Gasschlauch führe ich durch eine Elektroverschraubung zur Rohrleitung. Diese Tasche erfüllt alle Vorgaben, ist nur von oben zugänglich und gasdicht verschließbar. Wird aber schnellstens durch eine feste Gaskasteninstallation ersetzt.

Wiederkehrende Prüfung

Die Gasanlage an Bord muss alle 2 Jahre von einem Sachkundigen nach G608 überprüft werden. Schläuche und Regler müssen nach 6 Jahren gewechselt werden, alle anderen Bestandteile haben kein Verfallsdatum, es sei denn, der Gerätehersteller schreibt etwas anderes vor (z.B. Wärmetauscher an Gasthermen oder -heizungen).

Bestandsschutz für Altanlagen

Altanlagen mit 50 oder 30 mbar haben Bestandsschutz, z.B. was die Verwendung des Rohrmaterials anbetrifft. Verzinkte oder beschichtete Rohrleitungen dürfen also bleiben, auch ist die Reparatur im gleichen Material zulässig. Bei Gerätewechsel dürfen weiterhin 50 mbar Geräte installiert werden. Wenn diese nicht mehr zu erwerben sind, ist die Verwendung von 30mbar Geräten in 50 mbar Anlagen zulässig, sofern ein Vordruckregler vor dem neuen Gerät verbaut wird.

Schläuche und Regler haben keinen Bestandsschutz, weder was Alter noch Ausführung noch was die Länge angeht. Sie müssen nach 6 Jahren getauscht und ggf. entsprechend der korrekten Vorgaben ersetzt werden!

Diese Grundregeln habe ich nach bestem Wissen erstellt. Korrekturen werden gerne eingearbeitet, aber alle Angaben erfolgen ohne Gewähr und ersetzen nicht die sachkundige Auskunft eines Fachmanns.

Thomas Hermann-Hueber, Sachkundiger nach G607 und G608


Vielen Dank an Thomas für diesen sachkundigen Beitrag! Sag Bescheid, wenn du auch etwas zur KlabauterKiste beitragen möchtest.

P.S.: Weitere Informationen zum Thema „Gas an Bord“ gibt es in diesem PDF von einem Vortrag bei der Gesellschaft der Deutschen Transportversicherer. Die Dokumentation ist allerdings schon von 2001. Sie bietet einen guten Überblick, die beschriebenen Normen sind aber teilweise überholt.


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