Seeventile aus Plastik? • KlabauterKiste

Seeventile aus Plastik?

Nach den beiden kleinen Seeventilen achtern für Pantry und Seewasserkühlung der Hauptmaschine stand bei uns dieses Jahr der Austausch des großen Ablaufventils im Bad an. Das alte Blakes-Ventil hatte schon vor etwa einem Jahr den Dienst versagt und ließ sich einfach nicht mehr schließen. Auch mit Gewalt nicht. Also neu.

Unsere "Wanderling" - eine Sadler 34 von 1984

KlecksKunde-Shirt

Bei der Auswahl eines neuen Seeventils hat man die Qual der Wahl. Unterschiedliche Hersteller bieten Borddurchlässe und Kugelhähne aus Edelstahl, Messing, Bronze oder auch Kunststoff an.

Bronze (Legierung aus Kupfer, Zinn und ggf. weiteren Metallen) schied für uns aus, weil zu teuer. Bei Edelstahl sieht es preislich ähnlich aus, weil selbst das „normale“ V4A für den Unterwasserbereich im Salzwasser nicht ausreichend korrosionsfest ist. Langfristig wird man hier nur mit Stählen glücklich, die speziell für diesen Einsatzbereich konzipiert (zum Beispiel 254 SMO) und entsprechend hochpreisig sind.

Die preisgünstige Variante wäre Messing. Borddurchlässe und Kugelhähne aus Messing werden standardmäßig von vielen Werften verbaut und sind gut verfügbar. Selbst hier, auf Carriacou, einer kleinen Karibik Insel in den kleinen Antillen, hätten wir passende Komponenten aus Messing direkt im Laden bekommen können! Das Problem bei Messing ist, dass es eine Legierung aus Kupfer und Zink ist und damit im Seewasser prinzipiell sehr anfällig für galvanische Korrosion. Das Zink opfert sich mit der Zeit und das Bauteil wird brüchig.

Es gibt zwar Messing Legierungen, die salzwasserbeständiger sind als andere, aber ideal ist das alles nicht und viele Hersteller geben die genaue Legierung auch gar nicht an.

Die Entscheidung war für uns eigentlich klar: Wir werden wieder Trudesign Plastikteile verbauen!

Die Firma TruDesign, gegründet im Jahr 1974, ist ein ISO 9001 zertifiziertes Unternehmen mit über 40 Jahren Erfahrung in der Spritzgussverarbeitung von technischen Kunststoffen. Die Produkte sind speziell für den Unterwassereinsatz konzipiert und vom International Marine Certification Institute (IMCI) sowie Bureau VERITAS nach ISO 9093-2 zertifiziert. Sie erfüllen zudem den ABYC H-27 500Lb-Standard.

Entworfen und hergestellt in Neuseeland werden die Teile aus einem glasfaserverstärkten Nylon-Composite. Hochfeste, hochmodulige Glasfasern sorgen für Stärke, Steifigkeit, Zähigkeit und Dimensionsstabilität.

Um die Anforderungen der ISO 9093-2-Norm zu erfüllen, muss das fertige Seeventil einen anspruchsvollen Festigkeitstest bestehen:

Eine Kraft von mindestens 1500 N muss mindestens 10 Mal in einem Abstand von 20 mm vom Ende des Fittings angewendet werden. Danach darf das Fitting bei einem internen Wasserdruck von 0,1 MPa (1 Bar) keine Undichtigkeiten nach außen aufweisen und muss weiterhin wie vorgesehen funktionieren.

1500 N – das entspricht einem kräftigen Fußtritt!

Doch zunächst einmal muss das alte Blakes-Ventil ausgebaut werden. Und das ist gar nicht so leicht, denn der Borddurchlass ist flächig eingeklebt – seit 1984! Die vier Bolzen müssen freigelegt und herausgedreht werden. Das geht noch recht einfach. Dann aber bewegt sich immer noch absolut gar nichts. Mit Gewalt komme ich auch nicht weiter, also entschließe ich mich, den alten Durchbruch herauszusägen. Der neue Borddurchlass wird einen größeren Durchmesser haben als der Alte, also sollte das eigentlich kein Problem sein.

Zuerst müssen die 4 Bolzen freigelegt werden

Die Bolzen lassen sich relativ leicht lösen - auch noch nach 40 Jahren!

Leider ist das Laminat an dieser Stelle sehr dick (ca. 30mm) und nicht nur der Akkuschrauber kommt an seine Grenzen, sondern nach einiger Zeit ist auch die Lochsäge hinüber. Eine Neue bekomme ich hier auf Carriacou nicht. Also muss ich das Laminat mühsam Stück für herausbohren. 

Erster Versuch mit einer 1 1/2 Zoll Lochsäge

Mit einem 4mm Bohrer und viel Geduld...

...lässt sich der alte Durchlass schließlich freilegen!

Schließlich klappt es aber und das Ventil ist draußen. Das entstandene Loch modifiziere und glätte ich noch mit einer Halbrundfeile und versiegele das offen liegende Polyester anschließend mit Epoxy. Von Außen muss ich mehrere Runden spachteln, damit das Ganze wieder schön glatt wird. Ich nutze dafür angedicktes Epoxy. 

Das alte Bronzeventil hat 40 Jahre lang seinen Dienst getan. Bei regelmäßiger Wartung hätte es bestimmt noch länger durchgehalten. 

Epoxy Spachtel, noch ungeschliffen

Fertig geschliffen und abgeklebt - bereit für den Einbau des neuen Durchlasses!

Am nächsten Tag kann der gespachtelte Bereich dann geschliffen werden und ist bereit für den Einbau des neuen Trudesign Durchlasses.

Zunächst schraube ich den Kugelhahn einmal probeweise ganz auf die Durchlasshülse, um sicherzugehen, dass am Ende nicht zu viel ungenutztes Gewinde überbleibt. Das würde nur die Hebelwirkung auf den Durchlass erhöhen. In meinem Fall muss ich die Hülse aber nicht einkürzen, sie ist lediglich ca. 5mm zu lang – das passt.

Das neue Seeventil in Einzelteilen: Kugelhahn, Durchlasshülse mit Unterlegscheibe und Mutter, gewinkeltes Anschlussstück mit Schlauchtülle

Probezusammenbau des Seeventils. Eine kleine Kappe verdeckt die Schraube, mit der der Hebel befestigt ist. Der muss noch ab, sonst kann ich den Kugelhahn aufgrund der Platzverhältnisse später nicht aufschrauben.

Drinnen baue ich noch die Toilette aus, damit ich in dem winzigen Raum überhaupt Platz zum Arbeiten habe. Das Toilettenfundament bekommt bei der Gelegenheit auch gleich noch einen frischen Epoxy-Anstrich verpasst.

Toilette im eingebauten Zustand

Jetzt ist hier Platz zum Arbeiten!

Auch von innen ist die Öberfläche jetzt mit Epoxy beschichtet und bereit für den Einbau.

Einsetzen des Durchlasses von außen mit reichlich Dichtmittel

Die Hülse klebe ich mit 3M 5200 Marine Dichtmittel ein und ziehe sie mit der innen liegenden Mutter fest. Das muss leider von Hand gehen, denn meine Rohrzange ist zu klein und mit dem großen Verstellschlüssel kann ich in der engen Ecke nicht ansetzen. Scheint aber fest genug zu sein. Den Kleber lasse ich 24 Stunden aushärten, dann kommt der Kugelhahn drauf. Die korrekte Position des Durchbruchs haben wir vorher mit Tape markiert, damit der Kugelhahn dann am Ende auch in die richtige Richtung zeigt und der Hebel leicht bedient werden kann. Ich umwickle das Gewinde mit Teflonband und schraube den Kugelhahn auf - die Ausrichtung passt!


Den Anschlussfitting dichte ich wiederum mit 3M 5200 ein, weil ich diesen nicht „bis zum Anschlag“ aufschrauben kann. Der gewinkelte Fitting muss nach oben zeigen, damit der Abwasserschlauch angeschlossen werden kann und muss daher nach dem Anschlag ca. eine halbe Umdrehung zurückgedreht werden. Nicht ideal, aber beides (Kugelhahn UND Anschlussfitting) kann man eben nicht wie gewünscht ausrichten.

Tefflonband zum Abdichten des Gewindes

Nach erneutem Abwarten der 24 Stunden Trocknungszeit kann ich den Schlauch aufstecken und mit zwei V4A Schlauchschellen festziehen. Geschafft!

Fertiger Borddurchlass von außen, mit Antifouling

Schlauchschellen auf dem Abwasserschlauch

Die beiden kleinen Seeventile im Bereich der Pantry haben wir schon vor etwa 2 Jahren durch TruDesign Seeventile ersetzt. Und wir haben es absolut nicht bereut. Es gab seitdem keine Probleme und auch jetzt noch lassen sich die Kugelhähne mit einem Finger öffnen und schließen. 

Und auch wenn ich hoffe, dass die beiden verbliebenen Blakes im Bad noch lange an Ort und Stelle bleiben können (der Ausbau ist ja scheinbar wirklich nicht ganz ohne) - wenn ein Austausch irgendwann ansteht, weiß ich für welche Option ich mich entscheiden werde. 

Falls Ihr Euch das Refit-Projekt noch einmal in Bild und Ton anschauen wollt, schaut doch gern mal in unser neues Video!

About the author

Matthias Rummel

Nach einer Jugend auf der Regattabahn kaufte Matthias gleich nach dem Abi seine erste kleine Fahrtenyacht. Seit 2020 ist er zusammen mit seiner Freundin Luisa auf Langfahrt. Mit Ihrer Sadler 34 "Wanderling" überquerte er 2022 den Atlantik und ist seitdem in der Karibik unterwegs. Die Reise dokumentiert er in regelmäßigen Videos auf seinem Youtube Kanal Eternal Sailing.

  • Longkeeler sagt:

    Zwei Schlauchschellen sind ja schon mal besser als nur eine. Aber die beiden sollten gegenläufig montiert sein!


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